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Indianer in Kanada

Der Begriff Indianer ist in Nordamerika nicht auf die US-amerikanischen indigenen Völker beschränkt. Auch in Kanada leben Indianer. Diese lassen sich in drei recht unterschiedliche Hauptgruppen unterteilen: Indianer der „First Nations“, die Inuit („Eskimos“) und die Métis (Nachkommen von Cree-Indianern und weißen Siedlern). Insgesamt fühlen sich nach der Volkszählung von 2006 knapp 1,2 Millionen Kanadier einer indigenen Gruppe zugehörig. Damit haben Indianer bzw. Indianer-Nachfahren einen Anteil von 3,8 Prozent an der Bevölkerung. Fast 700.000 gehören zu den First Nations, rund 390.000 sind Métis und etwas mehr als 50.000 Indianer sind Inuit. Die übrigen sind nicht genau zuzuordnen oder haben eine gemischte Herkunft.

Zwar ist die Situation der Indianer in Kanada anders als die der Indianer in den USA, aber dennoch leben sie meistens in ärmlichen Lebensverhältnissen und in Reservaten. Der Anteil junger Indianer unter 23,5 Jahren ist mit 50 Prozent sehr groß. Durch eine häufig schlechte Schulbildung und geringe Verdienstmöglichkeiten droht den Indianern eine weitere Verschlechterung der Lebenssituation.

 

Geschichte der Indianer in Kanada

Indianer KanadaDie Geschichte der Indianer in Kanada begann wahrscheinlich über die Beringstraße, als von dort vor über 12.000 Jahren asiatische Stämme den Kontinent besiedelten. In den Jahrtausenden bildeten sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen heraus, die sich auch in ihrer Lebensweise zum Teil voneinander unterschieden. Grob lassen sich die Indianer geschichtlich in drei Gruppen einteilen. Die Inuit, die an der Arktisgrenze von Fischfang und Robben lebten, die Prärie-Indianer, die als Nomaden den großen Bisonherden folgten und die Stämme um die großen Seen sowie an der Westküste Kanadas, die relativ früh feste dorfähnliche Strukturen bildeten.

Die Indianer lebten vom Land und dem, was die Natur ihnen zur Verfügung stellte. Dabei entwickelten sie einen Allgemeinsinn, der das Land als Gut aller Menschen betrachtet und kein Privatbesitz kennt. Diese Einstellung hat im Zuge der Besiedlung durch die Europäer einen wesentlichen Einfluss auf die Konflikte bis in die heutige Zeit. Weniger blutig als auf dem Gebiet der heutigen USA, aber dennoch zielstrebig und hart wurden die Indianer assimiliert und in Reservate zurückgedrängt. Da ihnen aber Landbesitz und eine Beschränkung des Rechts auf Landnutzung fremd ist, kam es immer wieder zu Konflikten. Dazu führte die Beschränkung des Lebensraums auf ein begrenztes Gebiet lange zum relativ starken Verkümmern der indianischen Traditionen.

Politisch hat sich die Situation der Indianer in den letzten Jahrzehnten nach und nach verbessert, aber noch immer bestehen Konflikte insbesondere im Bereich Landnutzung und Landbesitz. Durch eine neue Gesetzgebung, die die Reservate mehr und mehr zum Privatbesitz des Stammes macht, ist zudem ein schrittweiser Verkauf des Landes zu befürchten, wenn die Stämme so versuchen sollten, ihre Armut zu lindern. Denn gesellschaftlich hat sich an der Situation der Indianer wenig geändert. Viele leben in Armut und haben wenig Perspektiven.

 

Indian Act und First Nations

Teepee WigwamDie politische und gesellschaftliche Situation der Indianer – nicht der Métis und Inuit – ist im immer wieder nachgebesserten Indian Act von 1867 verankert. Dieses definiert, wer ein Indianer ist und welche Rechte sich daraus ableiten. Die Indianer werden hier unter dem politischen Begriff First Nations geführt. Zu den First Nations gehören über 630 anerkannte Indianerstämme. Jeder Indianer, der sich zu einem solchen Stamm zählt und sich in das Indian Register eintragen lässt, fällt unter den Begriff First Nations. Damit verbunden sind einige Rechtspositionen gegenüber der Regierung wie Landrechte, das Recht auf Zuwendungen und der Schutz vor Enteignung.

Die First Nations sind in ganz Kanada verstreut. Allein in British Columbia an der Westküste sind fast 200 Stämme anerkannt, die etwa 130.000 Mitglieder haben und in über 1.700 Reservaten leben. Einen weiteren Schwerpunkt der First Nations bildet Ontario mit 139 anerkannten Stämmen, die fast 160.000 Mitglieder haben und in 206 Reservaten leben. Insgesamt existieren fast 3.000 Reservate.

 

Indianer und Tourismus

Indianer vor Zelt KanadaDer Tourismus bietet den Indianern eine Möglichkeit, ihre Situation zu verbessern. Sehr häufig leisten ortskundige Indianer als Führer durch einen der vielen Nationalparks wertvolle Dienste und können auf diese Weise ihr Einkommen sichern. Andere Stämme unterhalten Übernachtungsmöglichkeiten oder offerieren einen Besuch im Reservat, bei dem Touristen die indianische Kultur kennenlernen können. Ein weiterer wesentlicher Einnahmefaktor sind aber indianische Kunst und Handwerkserzeugnisse. Damit sind nicht allein typische Andenken und Reisemitbringsel gemeint, sondern auch erstklassige Kunstwerke und traditionelle Handwerkskunst sowie kulturelle Darbietungen. Auf dem Sektor der Kunst lebt die Tradition der Indianer in Kanada weiter und erreicht über den Tourismus einen lukrativen Absatzmarkt, der vielen Stämmen das Überleben sichert.

Ein besonderer Höhepunkt der indianischen Kunst in Kanada ist die West Coast Native Art, der an der Westküste entstand und sehr beliebt ist. Dabei handelt es sich vorrangig um Schnitzereien, die traditionelle Gegenstände, Totempfähle, Masken und ähnliche Dinge zeigen. Auf Grundlage der West Coast Native Art und anderen indianischen Kunstrichtungen wie der Woodlands-Schule entwickelte sich eine regelrechte Kunstproduktion. Die Gegenstände tragen verspielte oder/und traditionelle Symbole der Indianerstämme und werden an Touristen und Sammler verkauft. Gleiches gilt auch für musikalische Aufnahmen von zum Beispiel typischen Stammesgesängen.

 

 

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